Ukraine-Interview zur Geschäftsentwicklung von KMU in neuen Märkten

Die Cleantech Initiative Ostdeutschland (CIO) und das Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) sind zwei Projekte des RKW Sachsen, widmen sich der Geschäftsentwicklung von KMU in neuen Märkten.  Dabei ist es spannend, sich auch mal außerhalb der bekannten und entwickelten Märkte umzuschauen und Branchen in den Fokus zu nehmen, die sich mit Zukunftsfragen der Gesellschaft beschäftigen und sich besonders dynamisch entwickeln. Dazu gehören Märkte im Clean-Tech-Bereich genauso wie im Bereich der neuen Mobilität und in den dazugehörigen Schnittstellen, wo Informations- und Kommunikationstechnologie, Nanotechnologie und Sensorik auf Mobilität trifft.

In diesem Prozess sind wir auf Möglichkeiten für Partnerschaften und Geschäftsentwicklung in der Ukraine gestoßen, eine Region, die für viele zunächst erst mal weniger von Interesse ist: Einerseits überwiegen Berichte über instabile politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen bei der Etablierung von Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen vor Ort. Andererseits ist bekannt, dass gerade in der Ukraine exzellent ausgebildete und motivierte Menschen für Herausforderungen in internationalen Geschäften bereitstehen.  Können diese Potentiale von KMU genutzt werden?  
Dazu führten Alexander Helbych (AMZ) und Dr. Katharina Schöps (CIO) ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Mailingwork GmbH aus Chemnitz, Jörg Arnold.

Foto staff-eye GmbH: v.r.n.l.: Jörg Arnold, (Mailingwork GmbH), Alexander Kovalenko (staff-eye GmbH), Dr. Katharina Schöps (CIO), Alexander Helbych (AMZ)

Dr. Katharina Schöps: Guten Tag, Herr Arnold. Vielen Dank, dass Sie uns für dieses Gespräch zur Verfügung stehen. Wir sind auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden, weil wir nach Firmen mit Erfahrungen in der Ukraine gesucht haben. Was ist das Geschäft der Mailingwork GmbH?

Jörg Arnold: Die Mailingwork GmbH bietet Software und Services im Bereich E-Mail-Marketing und Marketing Automation an. Unser Sitz ist in der Schönherr-Fabrik in Chemnitz. Wir haben derzeit 55 Mitarbeitende. Eines unserer Produkte ist das Tool „MAILINGWORK“. Das ist eine professionelle Plattform für Marketing-Automation, E-Mail-Marketing und Lead-Management, mit der sich die eigene Neukundengewinnung und Kundenwertsteigerung automatisieren und digitalisieren lassen.

Was mit einer Newsletter-Software begann, hat uns in der Weiterentwicklung 2017 einen Platz unter Sachsens Top 5 der besten Unternehmen und den Award „Sachsens Unternehmer des Jahres“ beschert.

Alexander Helbych: Und wie sind Sie ausgerechnet auf die Ukraine gekommen? Welche Entwicklungen haben Sie dazu geführt, in der Ukraine nach Partnern zu suchen?

Jörg Arnold: Aus Kapazitätsgründen haben wir entschieden, einzelne Programmierungsprojekte auszusourcen. Auf die Ukraine sind wir auf Empfehlung von Alexander Kovalenko von staff-eye GmbH aus Chemnitz gekommen. Er hat uns einige potenzielle Partner angeboten, die wir schließlich gemeinsam besucht haben. Der Besuch war für uns eine Woche voller positiver Überraschungen: Kiew ist nur eine Flugstunde von Prag aus entfernt. Wir haben kompetente Mitarbeiter getroffen, die nicht nur über gute Fach- und Projektmanagement-Kenntnisse verfügen. Es herrschte eine wohltuende konstruktive und verbindliche Arbeitsatmosphäre.

Dr. Katharina Schöps:  Sind Sie mit den ukrainischen Partnern ins Geschäft gekommen?

Jörg Arnold: Ja, wir sind uns einig geworden und nutzen nun ein ukrainisches IT-Unternehmen und sourcen Aufträge aus. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Geschäftsprozesse sind an unsere Anforderungen angepasst worden. So werden z. B. Rechnungen von einer deutschen GmbH erstellt. Das ist für uns sehr bequem und hilft uns, den Überblick in Steuerfragen zu behalten und Risiken zu minimieren.

Dr. Katharina Schöps:   Es lief also alles problemlos oder gab es irgendwelche unerwarteten Herausforderungen?

Jörg Arnold: Es gab bis jetzt absolut keine unerwarteten Probleme. Wir sind sehr zufrieden.

Alexander Helbych: Welche Unterstützung haben Sie bekommen oder welche hätten Sie vielleicht gebraucht? Gibt es etwas, was Sie anders gemacht hätten?

Jörg Arnold: Wir werden definitiv weitere Projekte in die Ukraine aussourcen. Wir empfehlen es auf jeden Fall weiter, weil die Kollegen aus der Ukraine sehr gute Kompetenzen haben, die Projektarbeit sehr gut verstehen und ein perfektes Englisch sprechen. Empfehlen würden wir auf jeden Fall, sich einen Begleiter, wie z. B. staff-eye zu suchen, das in Deutschland vor Ort ist, aber auch Kontakte und Erfahrungen in der Ukraine hat. Denn ohne Kontakte und die Kompetenz wird der Anfang schwer und holprig.

Dr. Katharina Schöps, Alexander Helbych: Vielen Dank, Herr Arnold für das Gespräch und die interessanten Einblicke. Sie haben uns mit Ihrer Firma ein Beispiel gezeigt, dass es durchaus möglich ist, mit digitalen Leistungen und Diensten erfolgreiche Geschäfte in der Ukraine zu entwickeln. Ein Erfolgsrezept ist offensichtlich auch Ihre Kooperation mit der Chemnitzer staff-eye GmbH und ihrem Geschäftsführer, Herrn Kovalenko, der Sie gut durch den Prozess des Markteinstiegs navigiert hat. 

Wir wünschen Ihnen damit auch weiterhin viel Erfolg.

Begleitung bei Geschäftsanbahnungen


Es ist bei weitem kein Geheimnis, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den asiatischen Ländern, GUS-Staaten und Ukraine seit Jahren die Aufmerksamkeit deutscher Unternehmen auf sich zieht. Gesättigte Märkte sowie sich verschärfende Wettbewerbe auf heimischen Märkten tragen mitunter dazu bei, dass Unternehmen der Maschinenbau- und Energieeffizienz-Branche nach neuen Absatzmärkten suchen. Auf der anderen Seite wird dort die Entwicklung durch veraltete Produktionsanlagen und –verfahren, sowie eine starke Binnennachfrage begünstigt.

In der Praxis treten allerdings noch weitere Faktoren auf, welche eine reibungslose und erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit erschweren und sogar unmöglich machen können. Es sind unter anderem kulturelle und sprachliche Barrieren, mangelnde Transparenz der Unternehmenslandschaft sowie rechtliche Besonderheiten.
Dies macht die Existenz eines Partners erforderlich, der in den jeweiligen Regionen persönlich präsent, anerkannt und vernetzt ist und der regionale und branchenspezifische Informationen sammeln, analysieren und bewerten kann. Mit der staff-eye GmbH steht ein solcher Entwicklungspartner für deutsche Unternehmen in Chemnitz zur Verfügung.    

Foto staff-eye GmbH: eine erfolgreiche Partnerschaft – Jörg Arnold, Mailingwork GmbH (l.) und Alexander Kovalenko, staff-eye GmbH

 

Ihre Ansprechpartnerin:
Dr. Katharina Schöps
E-Mail:schoeps@rkw-sachsen.de


Über Mailingwork GmbH

Die Mailingwork GmbH ist Spezialist für Software und Services im E-Mail-Marketing und Marketing-Automation. Sie beschäftigt über 55 Mitarbeiter in Chemnitz.
Wichtigstes Produkt der Mailingwork ist das Tool MAILINGWORK. Das ist eine professionelle Plattform für digitale Marketingprozesse, wie z. B. E-Mail-Marketing und Lead-Management. Mailingwork hilft Firmen bei der Neukundengewinnung und Steigerung des Kundennutzens.
MAILINGWORK bietet die Möglichkeit, sowohl ganzheitliche Marketingkampagnen als auch einzelne Newsletter zu erstellen und vollautomatische Vertriebsprozesse zu schaffen. Die Lösung eignet sich für Agenturen, den Mittelstand und Enterprise-Unternehmen gleichermaßen.
Die Software ist aktuell weltweit bei über 2.500 Unternehmen im Einsatz, darunter Kunden wie das Daimler, Panasonic, Nordsee, TÜV Süd oder das Deutsche Rote Kreuz.
www.mailingwork.de


Über staff-eye GmbH

Die staff-eye GmbH bietet neben Consulting und Nearshoring-Lösungen vor allem IT-Lösungen mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und VR/AR-Technologie, welche vor allem in der Automotive Entwicklung Anwendung findet.
https://www.staff-eye.com/


Über die Ukraine:

Ukrainer sind eine sehr intelligente, talentierte, kreative und dynamische Nation. Der WhatsApp-Entwickler Jan Kum kommt aus der Ukraine. Steve Wozniak, ein Pionier der Computertechnologie, Designer eines der ersten Computer der Welt und Mitbegründer von Apple, ist Ukrainer. Mitte der 2000er Jahre hat der ukrainische Landsmann Max Levchin das elektronische Überweisungssystem PayPal entwickelt.
Hedy Lamarr, Schauspielerin und Tochter des Lemberger Bankers Emil Liesler, hat WiFi erfunden.

Auf dem Territorium der modernen Ukraine wurden sechs Nobelpreisträger geboren. Z.B. Beispielsweise legte der berühmte Arzt Mykola Amosov den Grundstein der Herz-Kreislauf-Chirurgie. Er war weltweit führend bei der Entwicklung antithrombotischer Herzklappenprothesen. Solche Operationen retteten später hunderttausende Menschenleben auf der ganzen Welt.

Der von Igor Sikorsky entworfene Hubschrauber überquerte den Atlantik und den Pazifischen Ozean zum ersten Mal auf der Welt und konnte dabei in der Luft tanken. Die ukrainischen Flugzeugdesigner von Antonov schufen das weltgrößte Flugzeug Mriya, das im vergangenen Pandemiejahr Masken und Schutzausrüstung aus China transportierte und somit den Bedarf des deutschen Gesundheitssystems deckte.

Ukraine – ein Industrieland:

  • Platz 1 in Europa bei der Ammoniakproduktion,
  • Platz 4 weltweit in Bezug auf die Kapazität des Gastransportnetzes
  • Platz 3 in Europa und Platz 11 weltweit bei der Länge des Eisenbahnnetzes (21,7 tausend Kilometer),
  • Platz 3weltweit beim Export vom Gusseisen,
  • Platz 4 weltweit bei der Erzeugung von Weltraum-Trägerraketen und deren kommerziellen Nutzung,
  • Platz 9 weltweit für den Export von Verteidigungstechnik und Militärerzeugnissen,
  • Platz 10 in der Welt bei der Stahlproduktion.


Ukraine – ein gebildetes Land:
Bei der Anzahl der Fachkräfte mit Hochschulbildung belegt die Ukraine weltweit den 4. Platz. Die Zahl der IT-Spezialisten wächst jährlich um durchschnittlich 29.000 Menschen. Die IT-Branche im Allgemeinen hat sich in den letzten Jahren äußerst dynamisch entwickelt. Hier verfügt das Land über haben Weltklasse-Unternehmen, die als erfolgreiche Startups begonnen haben, darunter Preply, Grammarly, Depositphotos, MacPaw, Petcube.  Internationale Unternehmen wie Oracle, Ring, Siemens, Cisco, Samsung haben Forschungszentren in der Ukraine errichtet.


Ukraine -  Land reich an Bodenschätzen:

  • Platz 4 weltweit bei dem Gesamtwert der natürlichen Ressourcen; führende Plätze in der Welt bei den Reserven von Uran, Titan, Quecksilber, Mangan- und Eisenerzen;
  • Platz 4 in der Welt in Bezug auf die Kaliumreserven (Stebnytsia-Lagerstätte);
  • Platz 3 in Europa (13. Platz weltweit) bei den Schiefergasvorkommen (22 bln Kubikmeter);
  • Platz 3 in der Welt bei Tschornosemvorkommen (25% des Weltvolumens), die Ukraine kann 600 mln Menschen mit Nahrungsmitteln versorgen;
  • Platz 1 bis 5 der Welt bei der Produktion und Export von landwirtschaftlichen Produkten.